Nahost: Eskalation überschattet die Märkte
Die geopolitische Lage im Nahen Osten hat sich über das Wochenende deutlich verschärft. Israel führte Luftangriffe auf Ziele in Beirut durch und begründete diese mit Angriffen auf ein Hisbollah-Kommandozentrum. Iran reagierte mit mehreren Angriffswellen gegen Israel und warnte vor „verheerenden Schlägen“, sollte Israel seine Operationen im Libanon ausweiten. Gleichzeitig wurden neue israelische Angriffe auf militärische Ziele im Iran gemeldet.
US-Präsident Trump erklärte, eigentlich habe in dieser Woche ein Abkommen mit Iran verkündet werden sollen. Nun sei die Situation erneut eskaliert. Gleichzeitig betonte Trump, dass er weiterhin auf eine diplomatische Lösung setzt und Israel aufgefordert habe, auf weitere Vergeltungsschläge zu verzichten.
Die unmittelbare Folge: Der Ölpreis sprang deutlich an. Brent-Rohöl legte zeitweise um mehr als vier Prozent zu.
USA: Starker Arbeitsmarkt verändert Zinserwartungen
Der entscheidende Makrotreiber zum Wochenschluss war der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht.
Die Daten führten dazu, dass die Märkte inzwischen wieder vollständig eine Zinserhöhung der US-Notenbank um 25 Basispunkte bis Jahresende einpreisen. Vor den Daten lag die eingepreiste Straffung lediglich bei rund 16 Basispunkten.
Die Diskussion verschiebt sich damit erneut weg von Rezessionsängsten und hin zur Frage, ob die Fed gezwungen sein könnte, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar nochmals anzuheben.
Präsident Trump sprach sich unmittelbar gegen weitere Zinserhöhungen aus und erklärte, ein weiterer Schritt der Fed wäre ein Fehler.
Aktienmärkte: Technologie unter massivem Druck
Die US-Börsen beendeten den Freitag mit deutlichen Verlusten.
- S&P 500: -2,64 %
- Nasdaq 100: -4,77 %
- Russell 2000: -3,47 %
- Dow Jones: -1,35 %
Besonders schwach zeigte sich erneut der Technologiesektor. Die Kombination aus steigenden Zinserwartungen, hohen Bewertungen und anhaltendem Verkaufsdruck bei großen KI- und Halbleiterwerten belastete die gesamte Branche.
Auch die asiatischen Märkte standen zu Wochenbeginn unter Druck. Der Nikkei verlor zeitweise mehr als 3.000 Punkte. Der KOSPI löste sogar kurzzeitig einen Handelsunterbrechungsmechanismus aus, nachdem der Index zwischenzeitlich über acht Prozent gefallen war.
Devisen: Dollar bleibt das zentrale Makrothema
Der US-Dollar bleibt nach den starken Arbeitsmarktdaten gefragt.
EUR/USD stabilisierte sich zwar etwas, nachdem die Gemeinschaftswährung zuletzt unter 1,16 gefallen war. Der Fokus richtet sich nun auf die EZB-Sitzung am Donnerstag, bei der eine Zinserhöhung als nahezu sicher gilt.
USD/JPY hält sich weiterhin oberhalb der Marke von 160.
Anleihen: Renditen bleiben unter Aufwärtsdruck
US-Staatsanleihen standen erneut unter Druck.
Die Kombination aus robustem Arbeitsmarkt, höheren Ölpreisen und steigenden Inflationserwartungen sorgt dafür, dass Anleger ihre Zinssenkungserwartungen weiter zurücknehmen. Auch Bund-Futures zeigen sich vor der EZB-Sitzung schwach.
Rohstoffe
Öl bleibt der größte Gewinner der geopolitischen Eskalation.
Neben den Entwicklungen im Nahen Osten beschloss OPEC+ eine weitere moderate Produktionsanhebung von 188.000 Barrel pro Tag für Juli.
Gold konnte trotz der geopolitischen Unsicherheit nicht profitieren. Der starke Dollar und die gestiegenen Zinserwartungen belasteten das Edelmetall.
Bitcoin handelte zeitweise unterhalb von 63.000 USD.
Heute im Fokus
- Deutsche Auftragseingänge Industrie (April)
- New York Fed Survey of Consumer Expectations
- Apple WWDC Entwicklerkonferenz
- Fortlaufende Entwicklungen im Nahost-Konflikt
- Positionierung vor der EZB-Sitzung am Donnerstag







