Geopolitik: Iran-Konflikt eskaliert erneut
Die Lage im Nahen Osten bleibt der dominierende Risikofaktor für die Märkte.
In den frühen Morgenstunden kam es zu Explosionen auf der iranischen Insel Qeshm. Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten US-Streitkräfte zuvor Ziele auf der Insel angegriffen. Iran reagierte darauf mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait.
Explosionen wurden unter anderem auf den US-Basen Ali al-Salem und Arifjan gemeldet. Zudem wurden Luftalarme in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgelöst. Auch aus Bahrain, Syrien und dem Nordirak wurden Explosionen gemeldet.
Die IRGC erklärte außerdem, das Hauptquartier der 5. US-Flotte in Bahrain sowie ein US-verbundenes Schiff angegriffen zu haben.
US CENTCOM widersprach diesen Angaben. Laut dem US-Militär wurden sämtliche iranischen Angriffe erfolgreich abgewehrt. Mehrere ballistische Raketen und Drohnen seien abgefangen worden. Zudem bestätigten die USA eigene Angriffe auf eine iranische Bodenkontrollstation auf Qeshm sowie die Zerstörung mehrerer iranischer Drohnen.
Brent-Rohöl steigt infolge der Eskalation um rund 1,2 %.
Trotz der militärischen Zwischenfälle betonte US-Präsident Trump, dass die Gespräche mit Iran weiterhin laufen. Berichte über einen Abbruch der Kommunikation seien falsch. Trump forderte Iran erneut auf, ein Abkommen zu akzeptieren.
US-Außenminister Rubio erklärte, Iran habe große Teile der Straße von Hormus vermint. Gleichzeitig betonte er, die Verhandlungen seien komplex und würden Zeit benötigen.
Parallel dazu verhängten die USA neue Sanktionen gegen Iran.
Israel / Libanon
Die Verhandlungen über eine Waffenruhe zwischen Israel und Libanon bleiben schwierig.
Laut libanesischen Quellen wurden bislang keine entscheidenden Fortschritte erzielt. Gleichzeitig berichten israelische Medien, dass die Gespräche konstruktiv verlaufen.
Die USA sollen den Aufbau und die Ausbildung der libanesischen Armee unterstützen.
Ein israelischer Regierungsvertreter erklärte zudem, Washington unterstütze den Verbleib israelischer Truppen in der Sicherheitszone im Südlibanon.
Hezbollah lehnt weiterhin einen Teilwaffenstillstand ab und führte laut Berichten einen Drohnenangriff auf einen israelischen Kommandoposten durch. Dabei sollen acht israelische Soldaten verletzt worden sein.
USA: Aktienmärkte auf Rekordniveau
Die US-Börsen schlossen erneut im Plus.
Besonders stark entwickelte sich der Russell 2000, während auch S&P 500, Dow Jones und Nasdaq neue Rekordstände erreichten.
Schlusskurse:
- S&P 500: +0,13 % auf 7.610
- Nasdaq 100: +0,48 % auf 30.661
- Dow Jones: +0,45 % auf 51.313
- Russell 2000: +0,90 % auf 2.932
Zu den stärksten Sektoren gehörten Energie und Versorger.
Belastet wurde der Kommunikationssektor durch Alphabet. Die Aktie verlor rund 4 %, nachdem das Unternehmen Investitionen von 80 Milliarden USD in KI-Infrastruktur angekündigt hatte.
Marvell legte deutlich zu, nachdem Nvidia-Chef Jensen Huang das Unternehmen als potenziellen nächsten Billionen-Dollar-Konzern bezeichnete.
Hewlett Packard Enterprise gewann nach starken Quartalszahlen.
Handelspolitik
Die USA weiten ihre Untersuchungen nach Section 301 gegen insgesamt 60 Volkswirtschaften aus.
Betroffen sind unter anderem:
- China
- Europäische Union
- Japan
- Indien
- Großbritannien
- Kanada
- Mexiko
- Australien
Die Untersuchungen beziehen sich auf Maßnahmen gegen Produkte aus Zwangsarbeit.
Zusätzlich berichteten US-Medien, dass ein Berufungsgericht Rückerstattungen bestimmter IEEPA-Zölle angeordnet habe.
Positiv für den Agrarsektor: China hat laut US-Landwirtschaftsministerium wieder begonnen, US-Sojabohnen zu bestellen.
KI und Technologie
Präsident Trump unterzeichnete eine Executive Order zur Förderung von KI-Innovation und Cybersicherheit.
Die US-Regierung soll künftig Zugriff auf sogenannte „Frontier Models“ erhalten, bevor diese veröffentlicht werden.
Innerhalb von 60 Tagen sollen zudem vertrauenswürdige KI-Partner ausgewählt werden.
Ziel ist der Ausbau der Cyberabwehr sowie die Entwicklung staatlicher Sicherheitsstandards für fortschrittliche KI-Modelle.
Asien-Pazifik
Die asiatischen Aktienmärkte entwickelten sich überwiegend freundlich.
Die geopolitische Eskalation wurde weitgehend ignoriert, da die Rekordstände an den US-Börsen für Unterstützung sorgten.
- Nikkei 225 erreichte ein neues Allzeithoch und überschritt erstmals die Marke von 68.000 Punkten.
- Der ASX 200 wurde von Rohstoff- und Bergbauwerten gestützt.
- Chinesische Aktien erhielten Unterstützung durch besser als erwartete Dienstleistungsdaten.
China
RatingDog Services PMI (Mai):
- 54,4 (Erwartung: 52,3)
RatingDog Composite PMI:
- 54,0 (Vormonat: 53,1)
Australien
BIP Q1:
- +0,3 % q/q (Erwartung: +0,5 %)
- +2,5 % y/y (Erwartung: +2,7 %)
Devisenmarkt
Der US-Dollar handelt weitgehend unverändert.
USD/JPY nähert sich erneut der Marke von 160,00. Japans Finanzminister Katayama bekräftigte, dass die Regierung bei Bedarf am Devisenmarkt eingreifen könne.
EUR/USD reagierte kaum auf die jüngsten Inflationsdaten aus der Eurozone.
Am Markt bleibt eine Zinserhöhung der EZB in diesem Monat nahezu vollständig eingepreist.
EZB-Ratsmitglied Wunsch erklärte, selbst ein Friedensabkommen mit Iran würde die Argumente für eine Zinserhöhung nicht entkräften.
Anleihemärkte
Steigende Ölpreise halten den Inflationsdruck hoch.
- US-Staatsanleihen handeln richtungslos.
- Bund-Futures bleiben unter Druck.
- In Japan preisen Geldmärkte mittlerweile rund 74 % Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der BoJ noch in diesem Monat ein.
Rohstoffe
Öl bleibt vollständig von den geopolitischen Schlagzeilen abhängig.
Die jüngste Eskalation zwischen den USA und Iran sorgt für weitere Aufschläge bei Brent und WTI.
API-Lagerdaten
- Rohöl: -6,8 Mio. Barrel (Erwartung: -3,6 Mio.)
- Benzin: +3,5 Mio. Barrel
- Destillate: -0,2 Mio. Barrel
- Cushing: -0,3 Mio. Barrel
Zusätzlich plant der Irak eine deutliche Ausweitung seiner Exporte:
- Pipeline-Exporte von 220.000 auf 770.000 Barrel pro Tag
- LKW-Exporte in Nachbarländer auf bis zu 420.000 Barrel pro Tag
Gold fiel zeitweise wieder unter 4.500 USD je Unze.
Kupfer gab nach den jüngsten Kursanstiegen leicht nach.
Bitcoin rutschte zwischenzeitlich unter die Marke von 66.000 USD.
Termine des Tages
Konjunkturdaten
- Globale finale PMI-Daten (Mai)
- Eurozone PPI (April)
- US ADP-Beschäftigungsbericht (Mai)
- ISM Services PMI (Mai)
- US Factory Orders (April)
- Fed Beige Book
Notenbanksprecher
- Ueda (BoJ)
- Elderson (EZB)
- Cipollone (EZB)
- Goolsbee (Fed)
- Barr (Fed)
- Logan (Fed)
Unternehmenszahlen
- Broadcom
- CrowdStrike
- Inditex
Fazit
Die Märkte bleiben bemerkenswert widerstandsfähig.
Trotz direkter militärischer Konfrontationen zwischen den USA und Iran handeln US-Aktien auf Rekordständen. Der wichtigste unmittelbare Übertragungskanal bleibt der Ölpreis. Solange die Straße von Hormus offen bleibt und die Energieversorgung nicht nachhaltig gestört wird, scheinen Anleger geopolitische Risiken weiterhin auszublenden.
Der Fokus richtet sich heute auf den ADP-Bericht, den ISM Services PMI sowie das Fed Beige Book.







