Iran / Geopolitik
Die geopolitische Lage bleibt angespannt, auch wenn sich die Rhetorik zuletzt etwas in Richtung Diplomatie verschoben hat. US-Streitkräfte führten laut CENTCOM am Montag „Selbstverteidigungsangriffe“ im Süden Irans durch. Ziele waren unter anderem Raketenstellungen sowie iranische Boote, die versuchten, Minen zu platzieren. CENTCOM erklärte anschließend, dass die Angriffe vorerst abgeschlossen seien.
Gleichzeitig betonte US-Außenminister Rubio, dass die Angriffe eine diplomatische Lösung nicht ausschließen würden. Laut Rubio sei ein Deal mit dem Iran „innerhalb weniger Tage“ möglich.
Berichte aus Doha deuten darauf hin, dass Katar bei den Gesprächen zwischen den USA und Iran vermittelt. Laut Al Jazeera soll es bereits ein Verständnis bezüglich eingefrorener iranischer Finanzmittel geben.
US-Präsident Trump erklärte, dass angereichertes Uran entweder an die USA übergeben oder unter internationaler Aufsicht zerstört werden müsse. Gleichzeitig laufen intensive Verhandlungen über Sanktionen, das iranische Atomprogramm sowie die Öffnung der Straße von Hormus weiter.
Berichten zufolge diskutieren beide Seiten einen Plan zur Wiederöffnung der Straße von Hormus etwa 30 Tage nach einem möglichen Abkommen. Iran würde dabei Minen räumen und Transitgebühren einstellen.
Die Lage bleibt jedoch fragil. Iran machte deutlich, dass weitere israelische Angriffe auf Beirut oder den Süden Libanons die Gespräche gefährden könnten. Parallel dazu intensivierte Israel seine Angriffe auf Hezbollah-Ziele im Südlibanon.
Märkte
Die Ölpreise stabilisierten sich nach dem massiven Einbruch vom Montag teilweise wieder. Rohöl hatte zuvor fast 7 % verloren, nachdem Hoffnungen auf ein US-Iran-Abkommen aufgekommen waren. Die erneuten US-Angriffe verhinderten bislang jedoch eine vollständige Beruhigung.
Asiatische Aktienmärkte handelten gemischt. Die europäischen Futures deuten auf einen leicht schwächeren Handelsstart hin, Euro Stoxx 50 Futures liegen etwa 0,3 % im Minus.
Der Nikkei erreichte zunächst ein neues Rekordhoch, fiel anschließend jedoch unter Gewinnmitnahmen zurück. Gleichzeitig signalisierte die Bank of Japan erneut weitere Zinserhöhungen, sofern Inflation und Konjunktur dies rechtfertigen.
Der US-Dollar konnte sich leicht stabilisieren. EUR/USD bleibt richtungslos, während GBP/USD nach dem jüngsten Anstieg etwas zurückkam. USD/JPY handelt weiterhin nahe der 159er-Marke.
Im Fixed-Income-Bereich gaben 10-jährige US-Treasuries einen Teil ihrer jüngsten Gewinne wieder ab. Die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit und anstehender US-Anleiheauktion belastet den Markt.
Gold korrigierte leicht nach den jüngsten Anstiegen, während Kupfer aufgrund der vorsichtigeren Risikostimmung unter Druck stand. Bitcoin fiel unter die Marke von 77.000 USD zurück.
Zentralbanken / Makro
BoJ-Vizegouverneur Himino erklärte, dass steigende langfristige Zinsen weltweit als Zeichen anhaltender Inflationssorgen interpretiert würden. Die Bank of Japan werde die Geldpolitik weiterhin an Konjunktur, Inflation und Finanzierungsbedingungen ausrichten und die Zinsen weiter anheben, falls notwendig.
EZB-Mitglied Schnabel sagte, die EZB sollte die Zinsen im Juni anheben – selbst im Falle eines Iran-Friedensabkommens. Sie verwies auf mögliche Zweitrundeneffekte über die Energiepreise.
Ausblick
Im Fokus stehen heute unter anderem:
- US Chicago Fed National Activity Index
- Dallas Fed Manufacturing Index
- US Consumer Confidence
- US-Anleiheauktionen
- Weitere Entwicklungen rund um Iran, Hormus und den Ölmarkt





