Morning Briefing Europa 11.05.2026

May 11, 2026

Geopolitik: Iran-Konflikt eskaliert weiter

Die geopolitische Lage bleibt das dominierende Thema zum Wochenstart. Der Iran hat offiziell auf den jüngsten US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges reagiert, allerdings bezeichnete Präsident Trump die Antwort als „TOTALLY UNACCEPTABLE“. Laut iranischen Staatsmedien würde der US-Vorschlag faktisch einer Kapitulation Teherans gleichkommen. Der Iran fordert unter anderem Entschädigungen für Kriegsschäden, ein Ende der Öl-Sanktionen sowie die Anerkennung der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus.

Besonders kritisch: Die Straße von Hormus bleibt der zentrale geopolitische Hebel. Iran bezeichnet sowohl die Kontrolle über Hormus als auch einen möglichen Waffenstillstand im Libanon als „rote Linien“. Gleichzeitig bereiten sich US-Marines laut CENTCOM auf das Abfangen nicht-konformer Schiffe vor. Iran wiederum droht offen mit militärischer Reaktion auf eine maritime Blockade.

Israelischer Premier Netanyahu erklärte zudem, der Krieg sei nicht vorbei, solange iranisches Nuklearmaterial nicht entfernt wurde. Gleichzeitig kündigten Großbritannien und Frankreich Gespräche über eine europäische Eskorte durch die Straße von Hormus an.

Ölmarkt explodiert weiter

Die Folge dieser Eskalation sehen wir direkt im Energiemarkt:

  • Brent steigt über USD 105/bbl
  • WTI handelt wieder über USD 100/bbl

Saudi Aramco warnte zudem, dass selbst eine sofortige Wiedereröffnung der Straße von Hormus den Markt nicht schnell normalisieren würde. Laut Aramco könnte es Monate dauern, bis sich die Lieferketten stabilisieren. Gleichzeitig steigen die globalen Lagerbestände in Rekordtempo ab.

Wichtig: Der Markt beginnt zunehmend ein strukturelles Energieproblem einzupreisen – nicht nur einen kurzfristigen geopolitischen Schock. Qatar verschifft erstmals seit Kriegsbeginn wieder LNG durch Hormus, Pakistan verhandelt über weitere LNG-Transite.

Das bleibt ein klar inflationärer Impuls für globale Märkte.

Makro: Inflation bleibt das Thema

Fed-Mitglied Goolsbee erklärte am Freitag, Inflation sei aktuell „das Thema des Moments“. Gleichzeitig warnte er davor, ausschließlich über Zinssenkungen nachzudenken. Die Fed müsse steigende Preisdrücke ernst nehmen.

Goldman Sachs verschiebt seine Erwartungen für die nächsten Fed-Zinssenkungen nun auf:

  • Dezember 2026
  • März 2027

Grund: Hartnäckigere Inflation als erwartet.

Auch die EZB bleibt extrem vorsichtig. Lagarde und Nagel signalisierten klar, dass steigende Energiepreise ein neues Inflationsrisiko darstellen. Die EZB wolle „alles tun“, um Energieschocks einzudämmen.

Das bedeutet:
Der Markt bewegt sich weiter Richtung „Higher for Longer“-Umfeld.

China überrascht positiv

Die chinesischen Daten kamen deutlich stärker als erwartet:

  • Exporte +14.1% Y/Y (Erwartung 8.2%)
  • Importe +25.3% Y/Y
  • CPI +1.2% Y/Y
  • PPI +2.8% Y/Y

Damit sehen wir aktuell eine Kombination aus:

  • steigender globaler Nachfrage,
  • höheren Rohstoffpreisen,
  • stabiler chinesischer Aktivität,
  • und geopolitisch getriebener Inflation.

Makroökonomisch bleibt das klar reflationär bis stagflationär.

Aktienmärkte

US-Aktien schlossen Freitag stärker:

  • SPX +0.81%
  • Nasdaq 100 +2.35%
  • Russell 2000 +0.71%

Tech und Halbleiter führten die Rally an. Intel profitierte zusätzlich von Berichten über eine vorläufige Chip-Vereinbarung mit Apple.

Asien heute Nacht gemischt:

  • Nikkei zunächst auf neuem Rekordhoch über 63.000, gab Gewinne aber wegen Ölpreisen wieder ab
  • KOSPI auf Allzeithoch
  • Hang Seng gemischt
  • Australien schwach wegen CSL-Einbruch

US-Futures leicht schwächer zum Wochenstart aufgrund der geopolitischen Risiken und steigender Ölpreise.

Devisen & Zinsen

Der US-Dollar bleibt stark:

  • DXY fester
  • USD/JPY wieder über 157
  • EUR/USD unter Druck
  • GBP zusätzlich belastet durch politische Unsicherheit um Starmer

Am Anleihemarkt steigen die Renditen weiter:

  • US-Treasuries unter Druck
  • Bund-Futures schwächer
  • JGBs ebenfalls belastet

Treiber bleibt erneut Energieinflation.

Bitcoin & Gold

  • Bitcoin fällt zurück unter USD 81.000
  • Gold leicht schwächer trotz geopolitischer Lage

Der Markt bevorzugt aktuell den Dollar und Öl gegenüber klassischen „Safe Havens“.

Ausblick heute

Im Fokus heute:

  • Norwegische Inflation
  • US Existing Home Sales
  • BoC Market Participants Survey
  • US-Anleiheauktionen
  • Earnings u.a. von Hims & Hers, Constellation Energy, Circle Internet

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