US Pläne stören das OPEC Cartel

January 11, 2026

Trumps Zugriff auf Venezuelas Öl: Ein strukturelles Problem für OPEC

Die globale Ölmachtbalance könnte sich nachhaltig verschieben. Laut Wall Street Journal (WSJ) plant US-Präsident Donald Trump eine weitreichende Initiative, um Venezuelas marode Ölindustrie zu rehabilitieren und die Förderung unter faktische US-Kontrolle zu bringen. Für das Organization of the Petroleum Exporting Countries (OPEC) wäre dies ein tiefgreifender Einschnitt.

Venezuela ist eines der Gründungsmitglieder der OPEC. Sollte ein signifikanter Teil der Produktion künftig außerhalb des direkten Einflusses des Kartells liegen, würde dies die Fähigkeit der OPEC, Preise und Fördermengen zu steuern, deutlich schwächen.

Trumps Ziel: Niedrige Ölpreise

Trump verfolgt seit Jahren das Ziel, Ölpreise in Richtung 50 US-Dollar pro Barrel zu drücken – ein Niveau, das amerikanische Verbraucher entlastet, für viele Produzenten jedoch problematisch ist. Die Einbindung Venezuelas in eine US-dominierte Förder- und Vermarktungsstruktur würde dieses Ziel strategisch unterstützen.

Auch wenn Analysten davon ausgehen, dass der Wiederaufbau der venezolanischen Ölindustrie hohe Investitionen und mehrere Jahre erfordert, könnten bereits kleine Produktionssteigerungen kurzfristig den globalen Angebotsüberhang verschärfen.

Einige OPEC-Vertreter gehen laut WSJ davon aus, dass Venezuela bei regulatorischen Reformen und US-Investitionen seine Förderung innerhalb von ein bis drei Jahren um bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag steigern könnte – ausgehend von aktuell weniger als einer Million Barrel.

OPEC unter Druck – schwierige Abwägungen

Die OPEC steht damit vor einem Dilemma:

  • Förderkürzungen könnten die Preise stabilisieren, würden aber Marktanteile kosten.
  • Höhere Förderung würde die Preise weiter drücken und Staatshaushalte belasten.

Gleichzeitig besteht die Sorge, sich politisch mit Washington anzulegen. Ein Analyst von Capital Economics brachte es gegenüber dem WSJ auf den Punkt: Man müsse die eigenen Interessen schützen, ohne „den Bären zu reizen“.

Geopolitische Nebenwirkungen

Einige Golfstaaten sehen dennoch mögliche Vorteile. Sollte US-Kontrolle den Export venezolanischen Öls nach China einschränken, müsste Peking vermehrt auf Lieferungen aus dem Nahen Osten zurückgreifen – was den Golfstaaten neue Nachfrage sichern könnte.

Unabhängig davon würde ein US-Zugriff auf Venezuelas Reserven die Ölreserven, über die Washington direkt oder indirekt Einfluss hat, erheblich ausweiten. Laut JPMorgan könnten die USA – unter Einbeziehung Venezuelas, Guyanas und der eigenen Produktion – künftig rund 30 % der weltweiten Ölreserven beeinflussen.

Preise bleiben unter Druck

Der Ölmarkt ist bereits angespannt:

  • Brent notiert aktuell bei rund 63 US-Dollar
  • WTI bei etwa 59 US-Dollar
  • Beide Preise liegen rund 20 % unter Vorjahresniveau

JPMorgan erwartet für dieses Jahr einen durchschnittlichen Brent-Preis von 58 US-Dollar, für WTI 54 US-Dollar, mit weiterem Abwärtsrisiko im kommenden Jahr. OPEC und verbündete Produzenten – darunter Russland – haben daher zuletzt beschlossen, Fördererhöhungen vorerst auszusetzen.

Fazit

Trumps Venezuela-Strategie ist weniger ein kurzfristiger Marktschock als ein struktureller Gamechanger. Sollte es den USA gelingen, venezolanische Produktion nachhaltig unter ihre Kontrolle zu bringen, würde dies:

  • die Preissetzungsmacht der OPEC schwächen,
  • den globalen Angebotsüberhang verlängern,
  • und Ölpreise tendenziell dauerhaft niedriger halten.

Für Produzenten weltweit – einschließlich der US-Schieferindustrie – erhöht sich damit der wirtschaftliche Druck erheblich.

Quelle: https://www.wsj.com

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