Morning Briefing Europa – 23.02.2026

February 23, 2026

die Märkte starten in die neue Woche mit einem weiterhin von Politik geprägten Umfeld. Im Zentrum steht nach wie vor die Neuordnung der US-Zollpolitik nach dem Urteil des Supreme Court. Viele Marktteilnehmer hatten zunächst erwartet, dass das Urteil eine Entspannung im globalen Handel bedeutet. Tatsächlich wurde jedoch nicht die Zollpolitik beendet, sondern lediglich das juristische Instrument verändert. Die US-Regierung reagierte unmittelbar mit einem globalen Übergangszoll von zunächst zehn Prozent, der am Wochenende auf fünfzehn Prozent angehoben wurde. Damit bleibt Handelsunsicherheit der dominante Makrofaktor.

Die asiatischen Aktienmärkte zeigen entsprechend ein gemischtes Bild. In Australien belasteten steigende erwartete US-Zölle insbesondere zinssensitive Sektoren. In Südkorea profitierte der Markt zunächst von Stärke im Technologiesektor, gab diese Gewinne jedoch im Verlauf wieder ab. Der Hang Seng konnte dagegen zulegen, da China aktuell als relativer Gewinner der neuen Zollstruktur gesehen wird. Gleichzeitig sorgten Feiertage in China und Japan für geringere Liquidität, was Bewegungen zusätzlich verzerrte. US- und europäische Futures deuten zum Wochenstart auf eine vorsichtigere Stimmung hin.

Im Kern bleibt entscheidend: Das Supreme-Court-Urteil hat Zölle nicht abgeschafft. Die bestehenden Maßnahmen auf Stahl, Aluminium und andere strategische Sektoren bleiben bestehen, während neue Untersuchungen unter Section 301 vorbereitet werden, die langfristige Zölle ermöglichen könnten. Die aktuelle 15-Prozent-Regelung fungiert damit eher als Übergangsphase. US-Vertreter betonen gleichzeitig, dass bestehende Handelsabkommen weiterhin eingehalten werden sollen, während Europa zunehmend defensiv reagiert. Innerhalb der EU wird bereits diskutiert, die Ratifizierung eines Handelsabkommens mit den USA auszusetzen, bis mehr Klarheit über die zukünftige Handelspolitik besteht. Die EZB sieht darin ein neues Wachstumsrisiko für die europäische Wirtschaft.

Interessanterweise gehen Analysten davon aus, dass einige asiatische Volkswirtschaften langfristig sogar leicht niedrigere effektive Zölle sehen könnten, wobei China als größter relativer Gewinner gilt. Diese Einschätzung erklärt teilweise die Stabilität asiatischer Risikoassets trotz der politischen Unsicherheit.

Die US-Aktienmärkte schlossen zuletzt überwiegend im Plus. Nach der ersten Marktreaktion wurde schnell klar, dass die erwarteten Zolleinnahmen der USA vermutlich stabil bleiben, da alternative rechtliche Wege genutzt werden. Der Dollar fiel zunächst nach dem Urteil, stabilisierte sich jedoch wieder, während US-Staatsanleihen zwischenzeitlich volatil reagierten. Insgesamt zeigt sich, dass Märkte weniger auf das juristische Ereignis selbst reagieren, sondern auf die wirtschaftliche Konsequenz – und diese hat sich bislang kaum verändert.

Von Seiten der Federal Reserve bleibt der Ton vorsichtig. Mehrere Notenbankvertreter betonten, dass Inflation zwar deutliche Fortschritte gemacht habe, aber weiterhin oberhalb des Zielniveaus liege. Gleichzeitig erhöhen Zölle die Unsicherheit über den Inflationsausblick. Die Geldpolitik wird daher als gut positioniert beschrieben, ohne akuten Druck zu Zinssenkungen. Die Fed bleibt klar im Abwartemodus.

Am Devisenmarkt zeigte sich der Dollar zu Wochenbeginn etwas schwächer, ohne dass sich ein struktureller Trendwechsel abzeichnet. Der Euro konnte über 1,18 steigen, unterstützt durch Erwartungen einer geringeren Belastung für die deutsche Wirtschaft. Das Pfund bewegt sich stabil im Bereich um 1,35, während der Yen von einem schwächeren Dollar profitierte, allerdings bei dünner Liquidität aufgrund eines Feiertags in Japan.

Im Rentenmarkt bleiben Staatsanleihen leicht unterstützt durch die anhaltende Unsicherheit. Sowohl US-Treasuries als auch Bund-Futures handeln moderat fester, während Marktteilnehmer auf neue Konjunkturdaten warten. Insgesamt dominieren weiterhin politische Schlagzeilen gegenüber klassischen Makrodaten.

Bei den Rohstoffen profitieren Edelmetalle von der Lage. Gold konnte sich oberhalb von 5.100 US-Dollar stabilisieren, während Silber stärker zulegte. Ölpreise stehen dagegen unter Druck, da Handelskonflikte Wachstumserwartungen dämpfen. Kupfer konsolidiert nach der jüngsten Rally. Die Kombination aus geopolitischen Risiken und Handelsunsicherheit stützt weiterhin defensive Assets.

Auch im Kryptomarkt zeigt sich Risikoaversion. Bitcoin fiel unter die Marke von 65.000 US-Dollar, belastet durch ETF-Abflüsse und größere Verkäufe institutioneller Marktteilnehmer.

Geopolitisch bleibt die Lage angespannt. Berichte über mögliche militärische Optionen der USA gegenüber Iran erhöhen den Risikoaufschlag zusätzlich, während gleichzeitig neue Gespräche zwischen den USA und Iran vorbereitet werden. Parallel dauern die Spannungen im Russland-Ukraine-Konflikt an und halten die globale Unsicherheit hoch.

Auf der Unternehmensseite sorgte OpenAI für Aufmerksamkeit, nachdem die langfristigen Investitionspläne für KI-Infrastruktur deutlich realistischer angesetzt wurden. Die erwarteten Gesamtausgaben bis 2030 wurden stark reduziert, während gleichzeitig ambitionierte Umsatzziele bestätigt wurden. Das signalisiert weiterhin starkes Wachstum im KI-Sektor, allerdings mit stärkerer Kapitaldisziplin.

Heute richten sich die Blicke auf den deutschen Ifo-Index sowie den Chicago Fed National Activity Index. Zusätzlich stehen Aussagen von Vertretern der Bank of England und der Federal Reserve im Fokus.

Die zentrale Einordnung bleibt: Die Märkte befinden sich derzeit weniger in einem konjunkturellen als in einem politischen Regime. Das Supreme-Court-Urteil hat keinen Handelskonflikt beendet, sondern lediglich dessen rechtliche Struktur verändert. Zölle bleiben ein zentraler Bestandteil der wirtschaftspolitischen Strategie, und genau deshalb bleibt auch die Volatilität erhöht.

Wir handeln aktuell nicht primär Daten, sondern politische Rahmenbedingungen.

Ich wünsche euch einen erfolgreichen Start in den Handelstag. Let’s get to work.

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