Geopolitik – Iran, Hormuz und die Märkte
Die geopolitische Lage bleibt angespannt, auch wenn offiziell weiterhin von einer Waffenruhe gesprochen wird. Die USA bestätigten Angriffe auf iranische Militäranlagen rund um Bandar Abbas und Qeshm, nachdem iranische Kräfte US-Zerstörer in der Straße von Hormus attackiert haben sollen. Washington spricht von „Selbstverteidigung“ und betont, dass dies weder eine Wiederaufnahme des Krieges noch das Ende der Waffenruhe sei.
US-Präsident Trump erklärte mehrfach, dass die Waffenruhe weiterhin gelte und parallel Verhandlungen mit dem Iran laufen würden. Gleichzeitig verschärfte er verbal den Ton und drohte Iran mit deutlich härteren Angriffen, falls kein Deal zustande komme.
Iran wiederum wirft den USA vor, die Waffenruhe verletzt zu haben, nachdem ein iranischer Öltanker sowie ein weiteres Schiff in der Straße von Hormus angegriffen worden seien. Teheran kündigte eine „kraftvolle Antwort ohne Zögern“ auf weitere Angriffe an.
Zeitweise wurden Explosionen in Bandar Abbas, Abu Dhabi und Dubai gemeldet. Später berichteten iranische Medien jedoch, dass sich die Lage an den Inseln und Küstenregionen der Straße von Hormus wieder normalisiert habe.
Gleichzeitig laufen laut NYT Gespräche über einen temporären 30-Tage-Plan zur Wiederöffnung der Straße von Hormus. Iran zeigt sich jedoch skeptisch gegenüber einem „unrealistischen Plan“, der den USA einen schnellen Rückzug ohne Reparationen ermöglichen würde.
Für die Märkte bleibt klar:
Die größte Gefahr ist aktuell nicht nur Öl selbst, sondern ein möglicher erneuter Inflationsschock durch Energiepreise und Lieferketten.
Märkte – Risk-Off unter der Oberfläche
Die US-Indizes schlossen schwächer:
- SPX -0,38% auf 7.337
- Nasdaq 100 -0,12%
- Dow Jones -0,63%
- Russell 2000 -1,63%
Technologie hielt sich vergleichsweise stabil. Softwarewerte profitierten von starken Datadog-Zahlen, während Microsoft ebenfalls Stärke zeigte.
Der breitere Markt reagierte jedoch negativ auf die Eskalation rund um Hormus und die steigenden Ölpreise.
Die asiatischen Märkte handelten über Nacht nahezu komplett schwächer:
- Nikkei korrigierte nach neuen Allzeithochs
- KOSPI unter Druck nach starker Rally
- Hang Seng und Shanghai ebenfalls schwächer
- Europäische Futures deuten auf einen schwächeren Handelsstart hin
Öl explodiert – Inflationsthema bleibt zurück
Der Ölmarkt bleibt extrem nervös.
WTI handelte zeitweise über USD 95/bbl, Brent über USD 100/bbl, bevor ein Teil der Gewinne wieder abgegeben wurde.
Die Bewegungen zeigen erneut:
Der Markt preist nicht nur geopolitisches Risiko ein, sondern die Möglichkeit eines strukturellen Angebotsproblems bei einer Eskalation rund um Hormus.
Die IEA erklärte zudem, dass bisher erst rund 20% der strategischen Reserven genutzt wurden und man bereit sei, erneut einzugreifen.
Gold erholte sich ebenfalls wieder deutlich und stieg zurück über USD 4.700/oz.
Bitcoin fiel dagegen wieder unter USD 80.000.
Zinsen und Zentralbanken
Die US-Treasuries stabilisierten sich nach dem Selloff vom Donnerstag. Der Anstieg der Renditen wurde primär durch die höheren Energiepreise und Inflationssorgen ausgelöst.
Heute richtet sich der Fokus komplett auf die US-Arbeitsmarktdaten:
- US Non-Farm Payrolls (April)
- Erwartung: 62k
- Zusätzlich:
- University of Michigan Inflationserwartungen
- Kanadischer Arbeitsmarktbericht
Fed-Mitglieder bleiben vorsichtig:
- Williams betonte hohe Unsicherheit, aber weiterhin robuste Wirtschaft
- Kashkari sagte erneut: Inflation bleibt zu hoch
- Hammack warnte vor einer möglichen Verankerung inflationärer Erwartungen
- Daly betonte, dass die Fed datenabhängig bleibt
EZB-Mitglied Schnabel erklärte, dass Teile der Schäden durch den Iran-Konflikt dauerhaft sein könnten – insbesondere wenn höhere Energiepreise in Löhne und Inflation durchsickern.
FX – Dollar stabil trotz Chaos
Der Dollar bewegte sich vergleichsweise ruhig:
- DXY stabil um 98,2
- EUR/USD um 1,173
- USD/JPY knapp unter 157
Interessant bleibt:
Trotz geopolitischer Eskalation kommt bislang keine massive Flucht in den Dollar zustande. Das spricht weiterhin für strukturellen Druck auf die US-Währung.
GBP zeigte relative Stärke, obwohl die britischen Lokalwahlen ein politisches Beben auslösten.
UK-Wahlen – Reform UK gewinnt massiv
Reform UK war der klare Gewinner der Lokalwahlen:
- Über 300 zusätzliche Sitze
- Labour verliert über 220 Sitze
- Konservative verlieren über 100 Sitze
Innerhalb der Labour-Partei wächst der Druck auf Premierminister Starmer. Erste Stimmen fordern bereits offen seinen Rücktritt.
Handel und Politik
Trump erhöhte erneut den Druck auf die EU im Handelsstreit.
Er erklärte, die EU müsse ihre Zölle wie vereinbart auf null senken, ansonsten würden die US-Zölle ab dem 4. Juli sofort wieder deutlich angehoben.
Zusätzlich entschied ein US-Handelsgericht gegen Trumps globale 10%-Zölle.
Fazit
Der Markt bewegt sich aktuell zwischen zwei Welten:
Einerseits:
- robuste Risikoassets
- stabile Tech-Aktien
- weiterhin positives Wachstumssignal
Andererseits:
- explodierende Energiepreise
- geopolitische Eskalation
- steigende Inflationserwartungen
- höhere Renditen





