Zinspause wahrscheinlich
Die Europäische Zentralbank dürfte ihre Leitzinsen unverändert lassen — eine Einschätzung, die unter anderem von Goldman Sachs und Morgan Stanley geteilt wird.
Die jüngsten Daten sprechen grundsätzlich für eine abwartende Haltung. Zwar fiel die Inflation im Januar unter das Ziel der EZB, allerdings ist dieser Rückgang größtenteils auf Basiseffekte zurückzuführen.
Der Fokus der Sitzung dürfte daher weniger auf der aktuellen Zinsentscheidung liegen, sondern vielmehr auf möglichen Kommentaren zu:
- der Stärke des Euro
- geopolitischen und handelspolitischen Unsicherheiten
- steigenden Gaspreisen
Überblick
Erwartet wird, dass die EZB den Einlagensatz bei 2,00 % belässt.
Da sich die jüngsten Daten weitgehend im Rahmen der Projektionen bewegen, dürfte Präsidentin Christine Lagarde erneut betonen, dass sich die Geldpolitik aktuell in einer „guten Position“ befindet.
Wichtige Punkte:
- Das BIP liegt weiterhin über den Stabsprognosen
- Einkaufsmanagerindizes zeigen ein gemischtes Bild
- Der Composite-PMI bleibt jedoch über der Expansionsschwelle von 50
- Die Inflation fiel zuletzt unter das 2%-Ziel
Trotz dieser stabilisierenden Faktoren bestehen weiterhin zentrale Risiken für den Ausblick:
👉 stärkerer Euro
👉 steigende Energiepreise
👉 geopolitische Spannungen
Da bei dieser Sitzung keine neuen Projektionen veröffentlicht werden, könnten mögliche Anpassungen der Einschätzung vor allem im Statement oder während der Pressekonferenz erfolgen.
Pressekonferenz: 13:45 GMT / 08:45 EST
Mit Blick nach vorne erwartet Goldman Sachs eine Zinspause auf absehbare Zeit, während Morgan Stanley eine Zinssenkung im Juni für möglich hält — insbesondere falls der Euro weiter aufwertet oder sich die Wachstumsaussichten eintrüben.
Datenlage
Die Inflationsentwicklung entspricht weitgehend den Stabsprognosen aus der Dezember-Sitzung.
- Headline-HICP (Januar): 1,7 %
(unter Ziel, aber stark energiegetrieben) - Kerninflation: 2,2 %
→ exakt im Rahmen der Erwartungen
Wachstum
- Vorläufiges Q4-BIP: +1,3 % YoY
(leicht unter der für 2025 erwarteten Rate von 1,4 %) - Quartalswachstum: +0,3 % QoQ
(über der Prognose von 0,2 %)
Aktivität
Die PMIs zeigen regionale Unterschiede, bleiben insgesamt jedoch expansiv.
Allerdings weist der Bericht auf zwei kritische Entwicklungen hin:
- deutlich steigende Dienstleistungsinflation
- zunehmender Inputkosten-Druck
Interpretation:
Viele EZB-Mitglieder dürften sich in ihrer Entscheidung bestätigt fühlen, die Zinsen unverändert zu lassen. Einige eher restriktive („hawkishe“) Ratsmitglieder könnten sogar argumentieren, dass der nächste Zinsschritt eher nach oben als nach unten erfolgen sollte.
Arbeitsmarkt
Der europäische Arbeitsmarkt bleibt robust.
- Arbeitslosenquote: ca. 6,2 %
→ nahe historischer Tiefstände
Jüngste Kommunikation der EZB
Die meisten Notenbankvertreter halten an der Linie fest, dass sich die Geldpolitik aktuell in einer guten Position befindet.
- Philip Lane: „Keine kurzfristige Zinsdebatte.“
- Isabel Schnabel: Keine Änderung auf „absehbare Zeit“.
Eine Ausnahme bildete Gediminas Šimkus, der zwar bestätigte, dass die aktuelle Politik angemessen sei, zugleich jedoch darauf hinwies, dass der weitere Zinspfad nach Februar weniger klar erscheine.
Der Euro als geldpolitischer Faktor
Neben den Zinsen dürfte die Stärke des Euro ein zentrales Thema werden.
Seit Mitte Januar ist EUR/USD um rund 2 % gestiegen, was vor allem auf Dollar-Schwäche zurückgeführt wird. Der Euro fungiert zunehmend als liquide Alternative zum USD und profitiert entsprechend.
Mehrere Notenbanker äußerten sich bereits dazu:
- Kocher: Der Wechselkurs spielt selbstverständlich eine Rolle.
- Villeroy: Die EZB beobachtet den Euro genau, betont jedoch, kein Wechselkursziel zu verfolgen.
- Šimkus: Das aktuelle Niveau impliziert keine konkrete geldpolitische Richtung.
Angesichts der bislang vorsichtigen Kommunikation könnte die EZB allerdings versuchen, allzu explizite Aussagen zum Wechselkurs zu vermeiden.
Rückblick auf die Dezember-Sitzung
Die EZB bestätigte damals ihren datenabhängigen „Meeting-by-Meeting“-Ansatz und bekräftigte erneut, dass sich die Politik in einer guten Position befinde.
Gleichzeitig wurden die Projektionen angepasst:
- Inflationserwartungen für 2026 angehoben
- Wachstumsausblick verbessert
Kurz nach der Sitzung unterstrichen Medienberichte diese Einschätzung, hielten jedoch fest, dass Zinssenkungen weiterhin eine Option bleiben, falls erforderlich.
Makro-Fazit Die EZB befindet sich aktuell klar im Wait-and-See-Modus.
Das Umfeld lässt sich am ehesten so beschreiben:
👉 Inflation nahe Ziel
👉 Wachstum stabil
👉 Arbeitsmarkt robust
👉 externe Risiken erhöht
Der geldpolitische Trigger liegt damit weniger in den aktuellen Daten — sondern in möglichen Schocks für Wachstum oder Währung.
Baseline: Zinspause.
Optionalität: Leichte Lockerung bei Wachstumsschwäche. Quelle: Newsquawk.












