Kurz vor Jahresende wurden die aktualisierten Zahlen zum US-BIP für das dritte Quartal veröffentlicht. Beim zweiten Blick auf den Bericht sticht zuerst die Schlagzeile ins Auge.
Abbildung: US-BIP im 3. Quartal 2025: jährliche Wachstumsrate +4,3 % (Q/Q, annualisiert).
Gleichzeitig bekommen wir mit diesem zweiten Blick auch das Bruttoinlandseinkommen (GDI), ein weiteres Maß für die gleiche Wirtschaftsleistung, weil wir eine Identität haben:
GDP = GDI
Das Bruttonationaleinkommen entspricht also dem Bruttonationalprodukt, weil wir die Endproduktion messen und diese sollte der Summe aller Schritte entlang der Wertschöpfungskette entsprechen – also allen Wertschöpfungsstufen – und das ist am Ende Einkommen.
Als ich diese 4,3 % gesehen habe, dachte ich: wow – deutlich über den Erwartungen. Woher kommt das?
Und ich denke, unser Schuldiger ist hier die Handelsbilanz.
Handel als Turbo — aber nur einmalig
Exporte minus Importe: X-M
In diese Zeit fielen:
- Gegenzölle im August
- Drohungen neuer Zölle
- Vorzieheffekte („stockpiling“) im Quartal davor
Gegenzölle kamen im August dazu. Viele der Androhungen verschiedener Arten von Zöllen kamen und gingen im zweiten Quartal. Es gab also viel Vorratsaufbau vor diesen Zöllen. Und als einige dieser Zölle wieder wegfielen, hattest du tatsächlich eine Umkehr.
Ein Teil der Dinge, die ins Land gebracht wurden, wurde anschließend wieder exportiert. Also wären die Exporte im dritten Quartal stärker gewesen, die Importe schwächer. Wenn Importe schwächer sind, liefert das Wachstum.
Wir sehen das auch im Bericht:
Importe: −44,4 Mrd.,
Exporte: +56,4 Mrd.
Das kehrt den Fluss einiger Produkte um, die in die USA gekommen sind und dann wieder die USA verlassen haben. Ich würde nicht erwarten, dass sich das im vierten Quartal wiederholt.
Der Konsument: C
Da kommt man nicht drum herum – der Konsument war im dritten Quartal stark. Von den 4,3 entfallen 2,39 auf den Konsum.
- Waren (Goods): +0,66
- langlebige Güter: 0,12
- nicht-langlebige Güter: 0,54
- langlebige Güter: 0,12
- Dienstleistungen: +1,74
Investitionen: I
Fixe Investitionen: +0,19
- Wohnbau (Res): −0,21
- Nicht-Wohnbau (Non-Res): +0,40
- Lagerveränderungen: −0,22
Staat: G
- Bund: +0,19
- Verteidigung: +0,21
- Nicht-Verteidigung: −0,03
- Verteidigung: +0,21
- Bundesstaaten & Kommunen: +0,20
Der Zuwachs stammt fast ausschließlich aus Verteidigungsausgaben.
Für Januar und Februar erwarten wir ein „Goldilocks-Umfeld“: Die Wirtschaft entwickelt sich solide, während der Inflationsdruck nachlässt. Im März wird das Bild ungünstiger und das Wachstum schwächt sich ab, während die Inflation wieder anzieht.
Preisentwicklung – der eigentliche Schlüssel
Headline-BIP sieht heiß aus — aber die Preisindikatoren erzählen eine andere Geschichte.:
- Konsum: 2,8 %
- Investitionen: 5,0 % – (Wohnbau: 4,5 % – Nicht-Wohnbau: 5,2 %)
- Exporte: 3,0 %
- Importe: 0,6 %
- Staat: 4,4 %
Innerhalb der Investitionen:
- Strukturen: 3,6 %
- Ausrüstung: 5,8 %
- IP: 5,6 %
Schauen wir auf die Preisindizes, denn auf der Ebene des BIP sah es heiß aus. Die langfristigen Zinsfutures wurden abgestraft und das bringt uns zur FED, der US Zentralbank. Bei jedem Beschäftigungs- oder Preisdatenpunkt bewegt sich dieses Ding stärker als die Meinung der FOMC-Mitglieder, die die Entscheidungen treffen.
Der Markt ist kein korrektes Bewertungsinstrument. Er liegt oft falsch.
Wichtiger als alles: Market-Based PCE
Market-based PCE (ex Food & Energy): 2,4 % – Das Ziel der Fed – 2 %
Die Fed interessiert sich hauptsächlich für PCE — Personal Consumption Expenditure. Also zerlegen wir es. Wir haben den Preisindex nach Kategorien. Das ist die Inflation, die die Haushalte spüren und nicht die Unternehmen. Wenn Unternehmen massiv investieren und die Preise in diesem Bereich explodieren, fängt der BIP-Deflator das auf, aber PCE nicht.
Beim Konsum liegt der Preisauftrieb aktuell bei rund 2,8 Prozent – überschaubar, nicht dramatisch. Spannender wird es bei den Investitionen: Hier sehen wir Preissteigerungen um rund fünf Prozent, bei den fixen Investitionen sogar etwas darüber. Wohnbau liegt bei etwa 4,5 Prozent, der Nicht-Wohnbau bei gut fünf Prozent. Innerhalb dieser Kategorie fallen besonders Strukturen, Ausrüstung und geistiges Eigentum auf – alles Bereiche, in denen derzeit massiv gebaut, aufgerüstet und investiert wird. Genau dort entsteht der Preisdruck. Es handelt sich jedoch nicht um klassische Verbraucher-Inflation, sondern um Preisauftrieb in einem sehr speziellen Segment. Das BIP erfasst das, der Verbraucher zahlt es aber erst später – nämlich dann, wenn diese Kapazitäten irgendwann wieder Dienstleistungen und Produkte hervorbringen.









