Produktivität, Lohnkosten und Inflation
Der zentrale Punkt für die Preisdynamik sind nicht Löhne an sich, sondern die Unit Labor Costs – und diese sind aktuell negativ. Der Grund ist eine sehr hohe Produktivität, die steigende Stundenlöhne mehr als kompensiert.
Vor diesem Hintergrund sind Zollerhöhungen als einmalige Preisniveauanpassung zu bewerten, nicht als strukturell inflationär. Sie verändern relative Preise, nicht die Inflationsdynamik.
Beschäftigungsaufbau: Schwach – und wahrscheinlich überschätzt
Der aktuelle Beschäftigungsaufbau liegt bei rund 50.000 Stellen. Entscheidend sind jedoch die Revisionen:
- Oktober: −68.000 (auf −173.000 revidiert)
- November: −8.000 (auf 56.000)
Das Muster ist eindeutig: Die Erstschätzung ist regelmäßig das beste Ergebnis, die Revisionen fallen seit Monaten durchweg negativ aus. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass auch dieser Wert weiter nach unten korrigiert wird.
Arbeitslosenquote: Optisch besser, strukturell schwächer
- Offizielle Quote: 4,4 % (von 4,5 %)
- Tatsächlich: Rückgang von 4,536 auf 4,375 → stärker als nur −0,1 %
Aber:
- Erwerbsquote: 62,5 → 62,4
- Arbeitskräftebasis: −46.000
Ein Rückgang der Erwerbsbeteiligung (Participation Rate) kann die Arbeitslosenquote mechanisch senken, ohne dass sich der Arbeitsmarkt verbessert. Rein theoretisch ließe sich die Quote sogar auf null drücken, wenn niemand mehr aktiv Arbeit sucht.
Dauer der Arbeitslosigkeit steigt
- Median Dauer: 11,4 Monate
- Vormonat: 9,8 Monate
Wer seinen Job verliert, bleibt deutlich länger arbeitslos. Das ist ein klassisches spätzyklisches Signal.
Löhne und Arbeitszeit
- Durchschnittlicher Stundenlohn: 3,8 % (von 3,6 %)
- Durchschnittliche Wochenarbeitszeit: 34,3 → 34,2
Trotz höherer Stundenlöhne sind die Arbeitsstunden rückläufig. Das bedeutet: Take-Home-Pay ist nahezu flach.
Sektorale Details: Keine Wachstumsdynamik
Staat
- Government Payrolls: −13.000
- Gesamt 2025: −277.000
Aus makroökonomischer Sicht kein negatives Signal. Weniger staatliche Beschäftigung bedeutet potenziell weniger fiskalischen Druck in der Zukunft.
Industrie
- Manufacturing Payrolls: −8.000
- Achter Monat in Folge Jobverluste
Seit „Liberation Day“ verliert die Industrie jeden einzelnen Monat Arbeitsplätze. Eine „Manufacturing Renaissance“ ist in den Daten nicht sichtbar.
Privatsektor
- Private Payrolls: +37.000
- Davon Health Care & Social Assistance: +38.500
Nach Abzug dieses Bereichs (Maintenance Capex für die Arbeitskraft) hat der produktive Teil der Privatwirtschaft netto Jobs verloren.
Haushaltsumfrage: Qualität der Jobs sinkt
- +232.000 Jobs laut Household Survey
- Vollzeitstellen: rückläufig
- Teilzeitstellen: steigend
Die Beschäftigungsgewinne kommen fast ausschließlich aus Teilzeit.
Diffusionsindex: Breite Abschwächung
- Gesamtwirtschaft: 50,8 (von 55,6)
- Manufacturing: 38 (von 43) → klare Kontraktion
Selbst im Bauwesen sind keine Spuren massiver Investitionen sichtbar. Die Frage bleibt:
Wo sind die Billionen an Investitionen, von denen politisch gesprochen wird?
Historische Einordnung
- 2025: +584.000 Jobs → Ø 49.000 pro Monat
- 2024: >2 Mio. Jobs
In absoluten Zahlen ist 2025 der schwächste Beschäftigungsaufbau seit 2010.
In relativen Größen (bezogen auf die heutige Arbeitskräftebasis) ist es der schwächste außerhalb einer Rezession seit 2003.
Ursachenanalyse
- Erratische Wirtschaftspolitik
Zölle kommen, gehen, kommen wieder. Investitionsplanung wird unmöglich, wenn politische Rahmenbedingungen täglich wechseln. - Zölle
Sie verteuern Vorleistungen und machen die USA in vielen Bereichen zu einem Hochkosten-Produktionsstandort.
In einigen Fällen ist es trotz Importzöllen günstiger, Produkte komplett im Ausland zu fertigen, als sie in den USA zu bauen. - Künstliche Intelligenz
AI ersetzt nicht nur Jobs, sondern zerstört Geschäftsmodelle.
Wenn AI heute noch „keine Effekte zeigt“, bedeutet das: Die Disruption kommt erst noch.
Geldpolitik: Kein Allheilmittel
Wenn schwache Beschäftigung durch politische Unsicherheit, Zölle und technologische Disruption entsteht, dann werden niedrigere Zinsen daran wenig ändern. Die Daten sprechen für einen anämischen Arbeitsmarkt nahe rezessiver Niveaus – nicht für eine klassische zyklische Abkühlung.
Bottom Line
Der US-Arbeitsmarkt 2025 ist strukturell schwach, nicht nur temporär weich. Die Oberfläche wirkt stabil – die Substanz erodiert. Mehr Geldpolitik löst das Problem nicht, solange Politik, Kostenstruktur und Technologie gegen Beschäftigung arbeiten.












